7 Tage in Lissabon…

…mit Pasteis de Nata

Gemütlich um die Mittagszeit sassen wir im Flieger der Swiss Richtung Lissabon. Nachdem ich mich gemütlich, also ich meine, nachdem ich mich irgendwie in meinen Stuhl gepresst habe, mein Handgepäck irgendwo im Umkreis von 10 Metern in der Gepäckablage platziert habe und meine leichteste Windjacke schützend auf meinen Knie platziert habe, bekam ich bereits den ersten Anpfiff der Flugbegleiterin… „Ziehen Sie ihre Jacke an, das ist sonst gefährlich!“. Ähhmmm… ok… natürlich wollte ich mich bei einem allfälligen Flugzeugabsturz nicht schuldig fühlen, wenn ich mit meinem Leichtgewicht von Windjacke meinen Sitznachbarn hinter mir schwer verletzen würde. Aber der Blick der Flugbegleiterin liess keinen Zweifel offen, dass es ihr ernst war und somit zog ich trotz gefühlten 38 Grad in der Kabine meine Windjacke an. Warum mein Partner sein 5 Kilo schweres Hoodie nicht anziehen musste und es zwischen unseren Sitzplätzen ruhig dahin schlummerte, schreibe ich jetzt einfach seiner Attraktivität zu, von der unsere Stewardess geblendet sein musste.

Nach dem Start ging dann auch schon der Service los. Der kleine schneeweisse und saubere Plastikbehälter liess hoffen, dass darin ein leckeres Gericht wartet… es war nicht so… Couscous gespickt mit irgendeinem Gugus. Das einzig Geniessbare waren die kleine Portion Butter und der eingepackte Käse. Dazu ein warmes Brötchen und eine Cola Zero. Unterdessen wurde die Temperatur in der Kabine so stark runter gekühlt, dass ich froh war, meine Windjacke tragen zu müssen! Kurz vor der Landung erwachte ich aus einem  Schlummerschlaf und konzentrierte mich auf eine sanfte Landung… 4… 3… 2… 1… und der Flieger startete kurz vor der Berührung mit der Landebahn nochmal durch. Eine hektische Stimme aus dem Cockpit erklärte uns, dass bereits ein Flugzeug auf unserer Landebahn stehe. Das leuchtete sogar mir ein, dass er da nicht einfach landen konnte. 30 Minuten später landeten wir dann alle inklusive meiner Windjacke sanft in Lissabon.

Schon beim Besteigen eines schmuddeligen Taxis, dessen noch schmuddeligen Besitzer uns mit rasanter Geschwindigkeit durch die Stadt kurvte, war mir bewusst, Lissabon ist bei mir nicht Liebe auf den ersten Blick… auch nicht auf den Zweiten. Wir kamen durchgeschüttelt in unserem 5*Sterne Hotel an und freuten uns auf unseren extra gebuchten Balkon, mit Blick über die ganze Stadt. Die Freude war von kurzer Dauer, denn unser Luxuszimmer der zweitbesten Kategorie kam der Besenkammer von Boris Becker näher als einem Deluxe-Zimmer für 300 Euro kalt pro Nacht. Der Blick auf den Bahnhof von Lissabon war zwar interessant aber auf einem Balkon von 30 cm war es doch eher schwierig, die Aussicht zu zweit bei einem Cola Zero geniessen zu können.

Ich lebe ganz nach dem Motto: Lächle und sei froh, denn es könnte schlimmer kommen… und ich lächelte und war froh und es kam zum Glück nicht schlimmer. Nachdem wir zu Fuss die Stadt erkundeten und ich mein erstes portugiesisches Puddingküchlein schlemmte, die berühmten Pasteis de Nata, da war es um mich geschehen und ich habe mich in diese Stadt verliebt! Und ich habe mich in die Pasteis de Nata verliebt. Es blieb nicht bei dem einen… nein, es wurden 2, 3, 4… es wurden unendlich viele Küchlein die direkt in meinen Bauch wanderten und die dazu beigetragen haben, dass ich bereits am zweiten Tag den Knopf meiner Jeans nicht mehr zu brachte. Aber jedes Gramm welches ich heute nach 2 Wochen noch zu viel auf den Hüften habe war es wert! Das Beste was ich je gegessen habe. Und das Tolle und zugleich auch das Verflixte an diesen Pasteis de Natas ist, dass es sie an jeder Ecke gibt. Die Besten gibt es übrigens in der berühmten Konditorei Pasteis de Belém. Das Originalrezept ist seit über 180 Jahren geheim. Ach ja bevor ich es vergesse… 10 – 20 Minuten anstehen ist da Programm!

    

Natürlich muss man in Lissabon auch die vielen anderen schönen Dinge gesehen habe. Den Torre de Belém, das Wahrzeichen von Lissabon, das legendäre und nostalgische Tram 28, welches haarscharf an den Häusern vorbei durch Lissabon rauf und runter torkelt. Die schöne Burg am Hang von Lissabon weit über den Dächern der wunderbaren Stadt, welche im Abendrot in den tollsten Farben erstrahlt. Aber auch die verwinkelten Gassen mit ihren Musikern, dem geschäftigen Markttreiben und den modernen Geschäften, die im kompletten Gegensatz dazu stehen. Überall gibt es kuschlige kleine Restaurants, welche auch die kulinarischen Wünsche befriedigt. Ganz typisch für Lissabon ist aber eine sehr entspannte Stimmung, in der keine Hektik aufkommt, ausser man produziert sie selbst. Die Zeit scheint stehen zu bleiben und wenn man an der Supermarktkasse mal eine halbe Stunde warten muss, weil Big-Mama vor uns die einzelnen Cents aus dem Portemonnaie kramt und ihren Smalltalk mit der Kassiererin zum Besten gibt, dann weisst du, du bist in Lissabon angekommen. Wir kommen auf jeden Fall wieder… und sei es nur wegen der Pasteis de Natas.

In meinem nächsten Blog stelle ich euch ein Rezept der berühmten Puddingtörtchen vor. Es kommt dem Original natürlich nicht gleich, aber es ist trotzdem sehr lecker.

Claudia Fellmann, April 2018